Hingucker Sägewerk

Sägegatter

Handwerk in Grünow

Grünow war zurzeit um die Jahrhundertwende das größte Dorf im Domanialamt Feldberg im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz. 1910 zählte das Dorf 447 Einwohner.

Grünow war damals nahezu autark. Es waren sehr viele Handwerker und Gewerbetreibende ansässig. So gab es eine Stellmacherwerkstatt, eine Böttcherei, eine Tischlerei, eine Schmiede, eine Bäckerei, zwei Wirtshäuser, einen Kolonialwarenhändler, ein Fahrradgeschäft, eine Mühle, einen Schuster, eine Ziegelei sowie eine Försterei mit Waldarbeitern.

1814 kam der Tischler Theodor Görß von Neubrandenburg nach Grünow und ging hier seinem Gewerbe erfolgreich nach. In den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft, an denen er  teilgenommen hatte, hatte er eine Verletzung davongetragen. Zuerst wohnte er im Pfarrwitwenhaus, 1836 kaufte er das Hirtenhaus und erbaute an der Stelle ein Wohnhaus mit einer Tischlerei. Der Tischlerei stand er als Meister vor. Das imposante Gebäude, das fast vollständig aus Feldsteinen errichtet wurde, finden wir heute noch in der Straße zum Nationalpark.

1864 übergab er die Meisterstelle seinem Sohn. Sein Enkelsohn, Wilhelm Görß, kaufte 1911 eine Lokomobile der Firma Heinrich Lanz Mannheim. Mit der Lokomobile wurde ein Dreschkasten angetrieben. Zum Einsatz kamen der Dreschkasten und die Lokomobile überall im Dorf aber auch in Feldberg und in den Gütern und Dörfern ringsum. Der Dreschkasten und die Lokomobile wurden mit Pferden in die Einsatzorte geschleppt, gedroschen wurde in Feldberg, Carpin, Ollendorf, Bergfeld, Georgenhof und natürlich in Grünow.

Einsatz des Dreschkastens und der Lokomobile in Grünow um 1930

1924 errichtete Wilhelm Görß ein kleines Sägewerk mit einem Horizontalgatter das ebenfalls durch die Lokomobile angetrieben wurde. Im Sägewerk wurden nicht nur für den eigenen Bedarf Bretter, Balken und Kanthölzer geschnitten sondern auch Lohnarbeiten ausgeführt.

Lokomobile mit Antriebsrad und Keilriemen
Lokomobile mit Antriebsrad und Keilriemen für das Gatter. (rechts) Tischlermeister Wilhelm Görß, (links) Tischlergeselle Paul Wilk um 1930

Das Sägewerk wurde 1960 in die LPG eingebracht. Ende der 60-ziger Jahre wurde der Antrieb des Gatters von der Lokomobile auf einen Elektromotor umgestellt. Die Lokomobile kam dann nach Waren in den Schlachthof, von dort nach Neustrelitz ins Gaswerk und wurde dort letztlich verschrottet.

Das Ende des Dreschkastens war ohne die Lokomobile auch besiegelt, Versuche statt der Lokomobile einen Traktor einzusetzen scheiterten.
Bis in die Mitte der 70-ziger Jahre wurde auf dem Gatter noch Holz geschnitten.

Lokomobile in Altschwerin
restaurierte Lokomobile in Altschwerin